Mulitkultiball

Fotos: © Heimo Binder

10. Multikultiball in Graz am 10. Februar 2007 - Rede "August Schmölzer"

Ich grüsse meinen Freund Dietmar Schönherr und bitte Sie um einen Genesungsapplaus für ihn!
Danke!

Multikulturalität bedarf vieler Dinge. Unter anderem auch Herzensbildung!
Wissen Sie, was Herzensbildung heißt? Für mich heißt es: sich im Anderen wiedererkennen um in individueller Gemeinsamkeit tolerant und human zu leben.
Bravo, werden Sie sagen, so ist es! Recht hat er, der Schmölzer!

Aber haben Sie das auch mit dem Herzen begriffen? Wenn ich Sie jetzt spontan fragen würde, was heisst z.B. Toleranz, Humanität, etc. genau?
Würden Sie da nicht vielleicht ins Stocken geraten? Und wenn? Wie kann man dann für etwas sein, von dem man nicht genau weiss, was es ist?
Zum Beispiel einen Menschen von gleich zu gleich respektieren? Unabhängig von An- und Aussehen, Kultur, Religion und Herkunft etc.

Naja, werden Sie sagen, das habe ich ja gemeint!
Gratuliere Ihnen, denn dann sind Sie eine Naturbegabung! Aber wie bei allen Begabungen braucht es irgendwann Schulung, damit man ein Meister werden kann.
Sonst kommt es zu Beliebigkeit und Ungenauigkeit und gut gemeint heisst erstmal gar nichts! Das ist nur der Nährboden für allerlei gesellschaftliche und politische Blödheiten, die leider grausame Auswirkungen auf die Gesellschaft haben können!

Unser Umgang mit Toleranz und Humanität gleicht manchesmal unserem Gesang in der Badewanne. Wir singen laut, weil wir keine Verantwortung einem Zuhörer gegenüber haben. Ebenso ist es leicht, allein zuhause im stillen Kämmerchen tolerant und human zu sein. Aber draussen - wenn einem Volkesmeinung um die Ohren pfeift? Da haut uns dann der Werfel einen Prügel dazwischen. "Denn alles was geschieht, geschieht aus Angst vor Schmerz!"

Es braucht also erstmal Mut, Zivilcourage, Liebe, Geduld und viel Zeit - Herzensbildung eben!
Ein langer Weg von Kind auf. Es braucht eine liebevolle Kinderstube, in der einem der eigene Wille nicht gebrochen wird. Einen guten Umgang, einfühlsame Lehrer.
Verständnisvolle Pfarrer, die einen liebenden Gott anbieten. Eine Kirche, die nicht als Schuldmanager fungiert sondern als Herzensschützer!
Aber was, wenn man diesen Idealfall nicht erlebt hat? Die Familie nicht liebevoll und voll Geborgenheit war?

Der Umgang verwahrlost und die Lehrer nicht einfühlsam waren? Gott sich als ein drohender Angstmacher verankert hat? Ist es da nicht folgerichtig, dass man überfordert ist?
Aber trotzdem wird von einem solchen Menschen verlangt human und tolerant zu sein! Ich frage Sie, wie soll so jemand unter diesen Vorzeichen jemals zur Multikulturalität fähig sein?

Download Rede August Schmölzer [pdf-Datei]

Multikultiball in Graz